Hintergrund und Einsatzort

Sozialökonomischer Kontext in Chiapas

Sueniños wirkt in San Cristóbal de Las Casas, im Bundesstaat Chiapas, eine der ärmsten Regionen im Süden Mexikos. Die Stadt liegt im Hochland auf über 2200m Seehöhe. 1528 von den Spaniern gegründet, leben hier heute rund 200.000 Menschen.

Im wunderschönen Zentrum gibt es viele Kirchen, farbenprächtige Märkte sowie alte Bauwerke im Kolonialstil. Die Straßen sind geprägt von den bunt bemalten Häusern und den traditionellen Trachten der indigenen Maya-Bevölkerung. Der Charme der Stadt wirkt wie ein Magnet auf Reisende aus aller Welt, die das ganze Jahr über „el pueblo mágico“, das magische Dorf in den Bergen besuchen.

Doch der idyllische Schein trügt. Es gibt viele Kinder, die auf der Straße ihr Geld verdienen, zum Beispiel als Verkäufer oder Schuhputzer.
Am Stadtrand liegen die Armenviertel von San Cristóbal, wo sich viele Familien angesiedelt haben. Sie wurden vor allem Mitte der 90er-Jahre aus ihren Dörfern aus politischen und religiösen Gründen vertrieben. Einige von ihnen zogen in die Stadt, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.  
In vielen dieser „colonias“ (Siedlungen) fehlt nach wie vor die Infrastruktur. In den meisten gibt es keine befestigten Straßen und oft keine Kanalisation, kein fließendes Wasser. Viele Familien leben in desolaten Holzhütten, mit undichten Dächern und ohne festen Boden. Sie haben kein Badezimmer, keine Toilette und keine Duschen. Die hygienischen Verhältnisse sind oft katastrophal. In vielen der Hütten wird am offenen Feuer gekocht, was die Ursache von Atemwegserkrankungen und eine Gefahr für Unfälle ist.

Obwohl Chiapas der an Natur und Bodenschätzen reichste Bundesstaat ist, kann der Teil der Menschen, der arm, indigen oder weiblich ist, nicht am Wohlstand teilhaben. Denn unglücklicherweise verweigert das aktuelle soziopolitische System diesen Personen den Zugang zu Bildung, zu Gesundheitseinrichtungen und damit hunderttausenden Kindern und Jugendlichen den Zugang zu einem würdevollen Leben.


Bildung 

Das Bildungsdefizit und die hohe Analphabeten-Rate stellen die größte Herausforderung für die Bevölkerung Chiapas‘ dar. Der unfaire Zugang zu Bildung ist bezeichnend für die soziale Ungleichheit, die den Bundesstaat prägt. Armut und Bildungsdefizit betreffen vor allem Kinder aus ärmsten Verhältnissen. Anstatt die Schule besuchen zu können, werden sie bereits in ihren jungen Jahren marginalisiert und erfahren auch als Erwachsene soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung. Diskriminierung, sowie der schwierige Zugang zu Bildung, als auch die kurze Dauer der Bildung durch frühzeitigen Schulabbruch, wirken negativ auf die persönliche und berufliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, insbesondere bei Mädchen. 
Der Abschluss einer Grundschulausbildung oder das Absolvieren einer höheren Ausbildung scheint für die meisten Kinder und Jugendlichen des Bundesstaates schier unmöglich. 

Bildung ist ein Menschenrecht! Doch dieses zu leben, bleibt für viele Kinder und Jugendlichen stets ein Traum. Das Einkommen der Eltern ist meist so gering, dass Kinder und Jugendliche bereits in sehr jungen Jahren zu arbeiten beginnen müssen, um für das Überleben der Familie sorgen zu können. 

Statistiken des INEGI (Nationales Institut für Statistik und Geografie, Mexiko) aus dem Jahr 2015 zeigen, dass dieser Bundesstaat den höchsten Mangel an Bildung auf nationaler Ebene aufweist. Es ist außerdem der Bundesstaat mit dem höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen, die in Armut leben. Mutterschaft von Minderjährigen ist hier am häufigsten verbreitet. 

Diese Fakten veranschaulichen die große Herausforderung, unter diesen prekären Bedingungen das Recht auf umfassende Bildung zu gewährleisten. Mehr als 52.5 Prozent der Jugendlichen älter als 15 Jahre haben keinen Abschluss einer weiterführenden Schule. 

Zum Seitenanfang Real time web analytics, Heat map tracking